Die 100 jährige Kinogeschichte in Fallersleben beginnt 1921.
Elektromeister Hermann Knape, geb. im Januar 1901, begann 1921 als Wanderspieler auf seiner Zündapp mit Beiwagen von Ort zu Ort zu reisen und baute seinen Filmprojektor in verschiedenen Gasthäusern rund um Fallersleben auf.
Damals bestanden die „Kinosäle“ noch aus einem bestuhlten Raum mit einer Leinwand und der Filmvorführer kam mit Projektor und Filmdosen angereist.
Die erste Filmvorführung der "Fallersleber-Licht-Bild-Bühne“ fand am 20. März 1921 mit dem Film "Die goldene Krone“ statt.
Die 1920er Jahre waren die Zeit der Stummfilme.
Im besten Fall wurde die Vorführungen von einem Klavierspieler musikalisch begleitet.
So begeisterten Filme wie "Der Vagabund und das Kind" mit Charlie Chaplin das Publikum. Aber auch "Die Nibelungen", ein Spielfilm-Zweiteiler von Fritz Lang, beeindruckte aufgrund seiner Ausstattung und einer legendären Kampfszene zwischen Siegfried und dem Drachen.
Und ebenso unvergessen: "Metropolis" von Regisseur Fritz Lang - in den Jahren1925 bis 1926 in Deutschland gedreht, war er einer der teuersten Filme seiner Zeit.

So reiste Hermann Knape mehrere Jahre durch die Umgebung und baute sich mit den Filmvorführungen neben seiner Tätigkeit als Elektriker ein zweites Standbein auf.

Nach Recherchen der „Aller-Zeitung“ wurde 1933 bei der Vorführung des Films „Im Westen Nichts Neues“ die ausverkaufte Vorstellung im Fallersleber Hof (heute Hoffmannhaus) von etwa 130 Mitgliedern der NSDAP gestürmt und die Leinwand mit Spaten zerstört.
„Erst nach Polizeiaufforderung verließen die Randalierer den Saal." Die „Aller-Zeitung“ berichtete damals, dass „zur Vermeidung eines Blutbades“ der Filmabend verboten wurde.
„Im Westen nichts Neues“ konnte in Fallersleben nach diesem Vorfall nicht wieder gezeigt werden.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der Film endgültig verboten.

Als Hermann Knape 1934 sein erstes Kino mit 290 Plätzen, die „Fallersleber Lichtspiele“, an der Ecke Bahnhofstraße / Mühlenkamp eröffnete, hatte sich der Tonfilm bereits druchgesetzt.
Filme wie "Der blaue Engel" und "Die Drei von der Tankstelle" begeisterten das Kinopublikum.
Auch während des Zweiten Weltkriegs war das Metropol zum größten Teil geöffnet. Aber wie das Kino diese Zeit unbeschadet überstehen konnte, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.

Bald erwiesen sich die "Fallersleber Lichtspiele" als zu klein und Hermann Knape kaufte, nicht weit entfernt, ein Grundstück an der Bahnhofstraße.
Es wurden Pläne gemacht und Bauholz beschafft. Aber dann kam der Zweite Weltkrieg dazwischen.
Horst Knape erzählte Jahre später einmal, dass das Bauholz tatsächlich noch verwendet wurde. "Aber nicht für das Kino, sondern für den Bau von Baracken."

1954 begann Hermann Knape mit dem Bau des Metropol Theaters, das 450 Besuchern Platz bieten sollte.
Für den Film „Die Deutschmeister“, mit Romy Schneider in der Hauptrolle, öffnete sich der Vorhang im heutigen Metropol am 30. September 1955 zum ersten Mal.

Die Zeitung berichtete damals: "Das Metropol Theater ist nach den modernsten Gesichtspunkten der Filmtechnik, wie auch CinemaScope, gestaltet worden und bietet einen angenehmen Aufenthalt für 450 Personen. Die Hoffmanstädter dürften die Neueröffnung dieses Filmtheaters mit besonderer Freude begrüßen, zumal sich der Besitzer bemüht zeigen will, gute Filme zu beschaffen."

Das Fernsehen steckte zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen und die Einwohnerzahlen stiegen stetig, so dass die 450 Plätze gerade soausreichten. Kino war damals ein fester Bestandteil der Freizeitgestaltungvieler Fallersleber.
In den 60er Jahren gab es noch Spätvorstellungen im Metropol. Viele VW-Arbeiter radelten dann nach der Spätschicht geschwind von Wolfsburg nach Fallersleben um ihren Feierabend im Kino zu verbringen.

Doch mit dem Fernsehen kam die Flaute. Viele Kinos in der Umgebung, wie zum Beispiel in Vorsfelde, Velpke, Rühen und Parsau mussten in den kommenden Jahren ihre Türen schließen.

Als Horst Knape mit seiner Frau Ilse 1980 den Betrieb übernahm, wurde die Filmvorführung durch die Anschaffung eines neuen und moderneren Projektors automatisiert. So war die Anwesenheit eines Filmvorführers im Vorführraum während der Vorstellung nicht mehr nötig.
Gemeinsam konnte das Ehepaar Knape den Kinobetrieb so viele Jahre lang weiterführen obwohl die Besucherzahlen immer weiter zurück gingen.

Zu einer positiven Wende kam es für das Metropol als „Förderkopien“ bewilligt wurden.
Bevor es Förderkopien gab, mussten kleine Kinos viele Wochen oder Monate warten, bis Filmkopien frei wurden. In der Regel zeigten die großen Center die Filme so lange, bis es sich für sie nicht mehr lohnte und dann wurden die Kopien weitergegeben. Förderkopien wurden extra für kleine Kinos gezogen und finanziert. Somit konnte auch das Metropol 9 x im Jahr aktuelle Filme zu besonderen Konditionen ins Programm nehmen.
So wurden Filme wie zum Beispiel "Pretty Woman", "Independence Day", "Jurassic Park", "Forrest Gump", "Harry Potter und der Stein der Weisen" und die Spielfilmtrilogie "Der Herr der Ringe" zu wahren Publikumsmagneten.

Die Besucherzahlen stiegen wieder an und Horst und Ilse Knape konnten das Kino trotz immer größer werdender Konkurrenz erfolgreich weiter betreiben.

2009, als das Ehepaar schon über 40 Jahre im Kinogeschäft tätig war, wagten sie den großen Schritt in die digitale Filmprojektion.
Die Filme kamen von da an nicht mehr in Form von schweren Filmrollen in großen Kartons ins Metropol - sondern in kleinen Kunststoffkoffern in Form von Daten auf einer Festplatte.
Als erstes Kino im gesamten Umkreis, stieg das Metropol auf diese moderne Technik um.
Im April 2009 war es tatsächlich ein Kinderfilm, der das erste Mal digital gezeigt wurde. „Hexe Lilly – Der Drache und das magische Buch“ verzauberte große und kleine Besucher.
Durch die Digitalisierung war es nun auch möglich, Filme in einem völlig neuenartigem 3D vorzuführen. Durch die Dolby Brille bot sich dem Zuschauer ein gestochen scharfes und perfektes, räumliches Seherlebnis.
Als dann im Sommer 2009 „Ice Age 3“ in 3D im Metropol gezeigt wurde, kannte die Begeisterung der Kinobesucher keine Grenzen.
Tatsächlich strömten in vier Wochen über 10.000 große und kleine Besucher in das Metropol um den Film in 3D zu erleben. In den darauf folgenden Monaten gab es noch einige sehenswerte Aufführungen, die dann am Ende des Jahres mit „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ in 3D den absoluten Höhenpunkt bei den Besucherzahlen erreichte.

Mit dem immer schneller werdenden Internet und dem Aufkommen der Streaming Anbieter, gingen die Besucherzahlen jedoch mehr und mehr zurück.

Als Horst und Ilse Knape sich Ende 2012 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Kinogeschäft zurückzogen, übernahmen 2013 die Töchter Barbara Rücker (geb. Knape) und Susanne Knape das Metropol.

Beide sind im Familienbetrieb aufgewachsen und über die Jahre ins Kinogeschäft hineingewachsen. Obwohl es immer wieder Unterbrechungen gab, blieb die Leidenschaft für die Welt des Kinos und der Filme bestehen. Die Schwestern halfen immer wieder aus und mit der Zeit übernahmen sie mehr und mehr Aufgaben um die Eltern zu entlasten. So wurde das Metropol im Januar 2013 an die dritte Generation weitergegeben.

Mit einer Programmgestaltung mit vielen europäischen und deutschen Filmen, verschiedensten Events und einem treuen Stammpublikum, gelang es den Schwestern das Kino bis 2019 erfolgreich weiterzuführen.
Nach dem Ausstieg von Susanne Knape, Ende 2019, führt Barbara Rücker nun mit Hilfe ihrer Mitarbeiter das Metropol weiter.

Seit die Kinos Deutschlandweit wegen der Corona-Pandemie immer wieder schließen mussten, befindet sich das Metropol in einer Situation, die in der Geschichte so noch nicht vorgekommen ist.
Vom März 2020 bis März 2021, nach insgesamt 9 Monaten der Schließung, hofft Barbara Rücker nun auf einen erfolgreichen Neustart irgendwann im Frühjahr 2021.
Sie hätte das 100jährige Jubiläum gerne anders begangen, aber sie freut sich auf das Ende des Lockdowns und will es weiterhin so halten wie ihr Opa Hermann und ihr Vater Horst - sie "will sich bemüht zeigen, gute Filme zu beschaffen."